Hans-Böckler-Schule Neumünster

Stark für's Leben

Welche Rolle spielt das Engagement für andere in unserer Gesellschaft? Wie kann ich als Schüler*in meine Stärken entdecken und sie einsetzen, um selbst daran zu wachsen und schon als junger Mensch meine Lebenswelt mitzugestalten? Wie LdE derartige Lernerfahrungen ermöglicht und welchen Unterschied die pädagogische Begleitung machen kann, zeigt dieses LdE-Beispiel aus dem hohen Norden.

Die Idee

Im Wahlpflichtunterricht Stark fürs Leben der Hans-Böckler-Schule Neumünster in Schleswig-Holstein beschäftigten sich Schüler*innen mit Fragen des gesellschaftlichen Lebens, der eigenen Lebens- und Zukunftsplanung sowie sozialem Engagement und engagierten sich aus dem Unterricht heraus für andere Menschen in ihrem Stadtteil. Ob in einer Erstaufnahmeeinrichtung für geflüchtete Menschen, in einem Förderzentrum, im Seniorenheim oder einer psychiatrischen Klinik – die Schüler*innen brachten sich mit ihren eigenen Ideen und ihrem Wissen sensibel und respektvoll in den Einrichtungen ein.

Die pädagogische Begleitung

"Zu Beginn des Schuljahres war nicht ganz klar, wohin die Reise gehen würde", sagt LdE-Lehrerin Anja Hensgen. Nach einer einführenden Unterrichtseinheit zum sozialen Engagement und Ehrenamt, ermittelten die Schüler*innen zunächst, in welchem Bereich sie ihre Stärken sehen: So zeigte sich, dass eine Gruppe sich gern im sportlichen Bereich engagieren würde. Mit einer Zeitungs- und Internetrecherche wurden die Jugendlichen für mögliche Projektideen sensibilisiert.

Auf Stimmenfang: Das hat das LdE-Projekt bei Schüler*innen, Engagementpartner*innen, Lehrer*innen und innerhalb der Hans-Böckler-Schule bewegt; aus der Preisverleihung des Schulpreises Lernen durch Engagement 2020 (2:35 Min)

"Bevor die ersten Engagements starteten, habe ich die Schüler*innen einen Brief an sich selbst schreiben lassen", sagt Anja Hensgen. So hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, eventuelle Befürchtungen oder Erwartungen zu verschriftlichen und sich ihrer bewusst zu werden. In anschließenden Gesprächen wurde deutlich, dass es Berührungsängste im Umgang mit den verschiedenen Personengruppen gab: "Kann ich überhaupt mit älteren Menschen umgehen?", "Was passiert, wenn einer der Bewohner verstirbt?"

Weitere Reflexion konnte emotional stärken: Die Schüler*innen wählten eine von mehreren ausgelegten Postkarten aus. Wieso gerade dieses oder jenes Engagement? Das sollten die Jugendlichen für sich schärfen. "Zwei Aussagen sind mir besonders in Erinnerung geblieben", sagt Anja Hensgen: „Ich habe das Feuer ausgesucht, weil ich in diesem Engagement auftaue“ – und: „Ich habe den Schmetterling ausgesucht, weil ich das Gefühl habe, mich im Engagement entfalten zu können.“

Formen des Engagements

Die Schüler*innen des Wahlpflichtunterrichts fanden sich in einzelnen Projektgruppen zusammen, um jeweils das Engagement zu gestalten und umzusetzen, das ihren eigenen Interessen entsprach. Schüler*innen, die sich durch Sport für andere Menschen einsetzen wollten, nahmen am Unterricht einer Erstaufnahmeeinrichtung teil, um die Bedürfnisse der Schüler*innen mit Fluchterfahrung zu erfragen: Der reale Bedarf vor Ort führte dazu, dass die Jugendlichen ein Sportfest organisierten sowie eine Aktion, um Schuhe zu sammeln.

Meine größte Überrachung war, dass wirklich alle Schüler*innen das Engagement gefunden haben, was zu ihm oder ihr passte

Anja Hensgen begleitende LdE-Lehrerin Hans-Böckler-Schule Neumünster

Andere Schüler*innen kamen in ihrer Auseinandersetzung mit Ehrenamt und sozialem Engagement auf die Idee, ihren privaten Tanzunterricht, der in einer nahegelegenen Schule für sonderpädagogische Förderung stattfand, selbst für die Schüler*innen dieser Schule anzubieten: "Der Kontakt zu der Schule wurde von den Schüler*innen selbständig hergestellt, schnell war ein wöchentlicher Termin gefunden", sagt Anja Hesngen. Drei Schülerinnen unterrichteten etwa 14 Kinder des Förderzentrums – auch ein Schüler im Rollstuhl war mit viel Spaß an der Sache dabei.

Was bleibt & weiter wächst

Bei meinen Schüler*innen ist deutlich zu erkennen, dass die Bereitschaft, sich auch im späteren Leben zu engagieren, gestiegen ist, berichtet die LdE-Lehrerin. Und nicht nur das: "Durch die Kontakte, die durchweg meine Schüler und Schülerinnen hergestellt haben, entwickelt sich  für den Bereich LdE ein Netzwerk, welches weiter wachsen wird und von dem wir in den nächsten Jahren sicherlich profitieren können."

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