LdE-Programm

Fürsorgliche Schulen mit Lernen durch Engagement

Schule ist mehr als Unterricht. Sie ist ein Ort, an dem junge Menschen aufwachsen, sich orientieren und dazugehören wollen. Genau hier setzt das Programm „Fürsorgliche Schulen" an. 

Warum Fürsorge keine Zusatzaufgabe ist

Schule ist nicht nur ein Ort des fachlichen Lernens, sondern auch ein zentraler Beziehungs- und Lebensraum für Kinder und Jugendliche. Angesichts zunehmender psychischer Belastungen gewinnt sie als stabiler sozialer Raum besondere Bedeutung. Laut der Trendstudie „Jugend in Deutschland 2024" empfinden 51 Prozent der jungen Menschen Stress und 36 Prozent Erschöpfung angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimakrise, Inflation und gesellschaftliche Spaltung. Einsamkeit und das Gefühl, nicht wirklich zur Gemeinschaft dazuzugehören, sind weit verbreitet.

Das bleibt nicht ohne Folgen. Wer sich im Alltag nicht unterstützt und alleingelassen fühlt, zieht sich eher zurück. Das kann demokratische Haltungen schwächen und macht junge Menschen anfälliger für Botschaften, die ihnen Zugehörigkeit vermitteln und einfache Antworten auf komplexe Fragen bieten. 

Gleichzeitig ist aus der Bildungsforschung gut belegt: Schüler*innen lernen besser, wenn sie sich ernst genommen fühlen. Emotionale Unterstützung und verlässliche Beziehungen wirken sich direkt auf Motivation und Lernerfolg aus. Fürsorge ist damit kein Zusatz, sondern eine Voraussetzung für gelingendes Lernen und schulisches Wohlbefinden.

Das Programm „Fürsorgliche Schule" hilft Schulen dabei, Fürsorge und Beziehungsqualität nicht dem Zufall zu überlassen, sondern sie als selbstverständlichen Teil von Unterricht und Schulkultur zu gestalten.

Jetzt mitmachen: Teilnahme für acht Modellschulen

Schulen aller Schulformen (Klassenstufen 7 und 8) aus Leipzig und Umgebung können sich bis zum 03.06.2026 für eine Teilnahme an der Fortbildung für das Schuljahr 2026/2027 bewerben und somit die Entwicklung einer fürsorglichen Schulgemeinschaft unterstützen.

Detaillierte Informationen zur Bewerbung und Teilnahme finden Sie hier: 

Lernen an echten Fragen aus dem Leben

Die Unterrichtsform Lernen durch Engagement (kurz LdE, englisch Service-Learning) verbindet gesellschaftliches Engagement mit fachlichem Lernen. Im Unterricht erschließen Schüler*innen ein Thema, indem sie in eine echte gesellschaftliche Herausforderung erkunden: über Beobachtungen, Gespräche, Materialrecherchen und mehr. Sie gestalten dazu konkrete Projekte für das Gemeinwohl in ihrem Umfeld. Sie arbeiten kooperativ, tauschen Perspektiven aus und reflektieren gemeinsam. Fachliches Wissen wird zum Werkzeug, um echte Probleme anzugehen, und die Lernenden erleben, dass ihr Handeln zählt.

LdE schafft dabei Räume für Beziehungen. Wenn Jugendliche gemeinsam an etwas Bedeutsamen arbeiten, Prozesse aushandeln, aufeinander angewiesen sind und merken, dass ihre Perspektive und ihr Einsatz zählt, entstehen Verbindungen: zwischen den Schüler*innen, zwischen Klasse und Lehrkraft, zwischen Schule und Gemeinschaft.

LdE und Beziehungsarbeit gehören zusammen

Im Schulentwicklungsprogramm „Fürsorgliche Schule" wird LdE erstmalig mit dem entwicklungs- und beziehungsorientierten RAISE-Konzept des Humboldt Wissenschaftszentrums für Kindesentwicklung (HumanKind) der Universität Leipzig verbunden.

RAISE hilft Lehrkräften, sozial-emotionale und moralische Kompetenzen im Schulalltag gezielt zu fördern. Lehrkräfte gewinnen Wissen über die sozial-emotionale Entwicklung und konkrete Methoden, wie diese zu fördern ist.

Die Integration von den Methoden von RAISE in die Unterrichtsgestaltung mit LdE ermöglicht einen Unterricht, in dem fachliches Lernen, Beziehungsqualität und gezielte Förderung von sozio-emotionaler Kompetenzen zusammenwirken.

Was Schulen im Programm erwartet

Das Programm richtet sich an Schulen aus Leipzig und Umgebung, die neue Wege gehen wollen. Als Modellschulen erhalten sie Prozess-Begleitung, Fortbildung, kollegiale Vernetzung und konkrete Impulse und Methoden für den Unterrichtsalltag. Schulleitungen werden mit eingebunden, denn fürsorgliche Schulkultur wird als Qualitätsmerkmal der gesamten Schule verstanden

Das Programm wird von der Stiftung Lernen durch Engagement in Kooperation mit HumanKind der Universität Leipzig unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Tina Malti durchgeführt und von der Koordinierungsstelle für Lernen durch Engagement Sachsen (KLE) unterstützt. Ermöglicht wird es durch die Förderung der Robert Bosch Stiftung.

"Eine Schule, die sich als fürsorgliche Gemeinschaft versteht, stärkt nicht nur das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit der Schüler*innen, sondern wirkt sich auch positiv auf ihr Lernen und die Herausbildung sozial-emotionaler und demokratischer Kompetenzen aus."

Prof. Dr. Dr. Tina Malti HumanKind, Universität Leipzig
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