Stadtteilschule am Hafen St. Pauli, Hamburg

Macht die Turnhalle für Geflüchtete auf!

Jugendliche erkennen, dass Menschen in direkter Nachbarschaft zu ihrer Schule Unterstützung gebrauchen können: Sie werden für geflüchtete Menschen aktiv und setzen sich für deren Recht auf menschenwürdige Unterbringung ein. Mit Tausenden Unterstützer*innen hinter sich schaffen es die Schüler*innen bis zum Innensenator Hamburgs.

Wie alles begann

In einer Pause kommen Zehntklässler*innen der Stadtteilschule am Hafen mit einer Gruppe von Menschen ins Gespräch, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und in der benachbarten Kirche Asyl fanden. Im Unterricht berichteten die Schüler*innen von den schwierigen Bedingungen, unter denen die Menschen in der Kirche untergebracht sind.

Als der Lehrer dieser 10. Klasse Christoph Berens hört, wie entsetzt die Jugendlichen über die Situation der geflüchteten Menschen sind und dass sie unterstützen wollen, veranlasst er ein LdE-Projekt anzustoßen: In Gesellschaftswissenschaften und Deutsch  vertiefen die Schüler*innen ihr Wissen über internationale Konflikte, Fluchtgründe, das Menschenrecht auf Asyl und über die Gesetzeslage und aktuelle Asylpolitik in Deutschland.

Für mich war es ein ganz besonderes Projekt, eben weil es von den Schüler*innen initiiert war.

Christoph Berens, LdE-Lehrer Stadtteilschule am Hafen

Die Schüler*innen überlegen und planen im Unterricht gemeinsam, wie eine gute Unterstützung der geflüchteten Menschen aussehen könnte. Zunächst sammeln sie Sachspenden, um die Lebenssituation ihrer Nachbar*innen konkret zu erleichtern. Den Jugendlichen aber geht es um mehr: Sie starten eine öffentliche Kampagne unter dem Titel "Macht die Turnhalle für die Geflüchteten auf" und fordern, die schulische Turnhalle für ihre Nachbar*innen nutzbar zu machen – denn dort war weitaus mehr Platz mit deutlich besseren sanitären Anlagen.

Die Schüler*innen holen die Schulleitung und ihre Mitschüler*innen ins Boot, erstellen eine Facebook-Seite sowie eine Onlinepetition, um auf das Schicksal der Menschen in der Kirche aufmerksam zu machen. In kürzester Zeit erhält die Petition mehr als 10.000 Unterschriften.

Gemeinsam Großes bewegen

Mit diesem Rückenwind schreiben die Schüler*innen einen Brief an Hamburgs damaligen Innensenator mit der Bitte, ihr Anliegen persönlich vortragen zu dürfen. Mit Erfolg: Sie werden zum Gespräch eingeladen.

Die Vorbereitung für das Gespräch findet im Unterricht statt. Die Schüler*innen sammeln Argumente, um die Unterstützung des Senats zu kriegen, spielen das Gesprächsszenario mit dem Innensenator in verschiedenen Rollen durch und üben, fachlich kompetent zu diskutieren.

Die Enttäuschung ist groß: Letztlich können die Jugendlichen den Innensenator nicht für ihre Forderung gewinnen. Was sie aber längst erreicht haben: Sie schufen eine breite öffentliche und mediale Aufmerksamkeit für die Situation der Menschen in der St. Pauli Kirche. Die Kindernachrichten des ZDF und lokale Medien berichteten darüber.

Wir scheiterten letztendlich mit unserer Forderung. Aber: Es war schon ein Erfolg, den Innensenator so zum Schwitzen zu bringen.

Schüler*in LdE-Projekt Stadtteilschule am Hafen

Die Schüler*innen konnten durch die Reflexion im LdE-Projekt wichtige Erfahrungen verinnerlichen, ihre eigene Wirksamkeit spüren und sehen, dass ihr Lernen und ihr Handeln einen Unterschied machen. Sie schufen sich selbst die Gelegenheit, ihre eigene Meinung selbstbewusst und gestützt auf fachliche Expertise zu vertreten. Obwohl sie enttäuscht waren, dass die Turnhalle den geflüchteten Menschen gegenüber verschlossen blieb, erlebten die Schüler*innen aktive Teilhabe an politischen Prozess und nutzten ihre Rechte als junge Bürger*innen unserer Demokratie.

Der Zusammenhalt in der Klasse ist größer geworden, weil wir alle das gleiche Ziel vor Augen hatten. Wir sind sozialer geworden, solidarischer, gutherziger und zufriedener mit dem, was wir haben.

LdE-SchülerinStadtteilschule am Hafen, Hamburg
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