Persönlichkeitsbildung mit LdE

Das ist schulische Persönlichkeitsbildung

Persönlichkeitsbildung zielt darauf ab, junge Menschen in ihrer individuellen und gesellschaftlichen Entfaltung zu fördern: eine wechselseitige Entwicklung. Dabei werden Selbst- und Sozialbezug zueinander ins Verhältnis gesetzt. Das Ziel: urteilsfähige Schüler*innen.

Persönlichkeitsbildung lässt sich bildungstheoretisch als Relationierung verstehen. Dabei geht es einerseits darum, das Individuum in seinem Selbstbezug zu unterstützen, indem etwa Selbstwert und das Erleben von Selbstwirksamkeit gefördert werden, sodass sich Kinder und Jugendliche als Träger*innen von Menschenwürde begreifen. Das geschieht andererseits in Relation zu gesellschaftlichen Perspektiven, wobei es um die Förderung von Kooperations- und Konfliktfähigkeit geht, um sich als Mitglied einer demokratischen und den Menschenrechten verpflichteten Gesellschaft zu verstehen. Im Zentrum dabei steht die Urteilsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen – basierend auf Reflexionsvermögen, Diskurs- und Kritikfähigkeit sowie Perspektivübernahme.

Von Individuum über Gesellschaft zum Subjekt

Der Begriff der Persönlichkeitsbildung kann fälschlicherweise nahelegen, dass es hierbei um eine freie Entfaltung der eigenen Interessen eines jungen Menschen gehe: Entscheidend ist jedoch, dass in persönlichkeitsbildenden Prozessen individuelle und gesellschaftliche Perspektiven unmittelbar miteinander verwoben sind. In diesem Sinne kann auch von Subjektivierung beziehungsweise Subjektwerdung gesprochen werden – als Folge einer Auseinandersetzung des Individuums mit Welt und Gesellschaft. Schulische Angebote wirken also dann persönlichkeitsbildend, wenn sie Subjektvorstellungen und -positionen adressieren, Kinder und Jugendliche angeregt sind, diese einzunehmen, und sich dadurch schließlich als soziales, demokratisches und urteilsfähiges Subjekt ausdrücken und erleben. Entsprechend zentral ist die Möglichkeit zur Partizipation von Schüler*innen, da in der Teilhabe Individuum und Gesellschaft miteinander verknüpft sind.

Persönlichkeitsbildung lässt sich in einem vereinfachten bildungstheoretischem Modell als Relationierungsgeschehen verstehen, das zentral auf Urteilsfähigkeit zielt: durch Diskurs- und Kritikfähigkeit sowie Perspektivübernahme (Grafik: Budde und Weuster 2016)

Inhalte und Ziele schulischer Persönlichkeitsbildung

Dem Begriff der Persönlichkeitsbildung haftet die überholte Vorstellung an, eine Art tugendhafte "Vervollkommung" oder "Veredelung" des Menschen anzustreben – in Anlehnung an Ideale der Aufklärung oder der Romantik. Eine normative Ausrichtung schulischer Persönlichkeitsbildung ist insofern problematisch, als dass angestrebte Ideale vom Wertestandpunkt einer Autorität sowie sozialen Konstellationen abhängen: Insofern ist für normative Enthaltsamkeit zu plädieren, was inhaltliche Kriterien etwa über die Schulgesetze der Bundesländer hinaus betrifft. Wichtiger als Inhaltliche Ziele schulischer Persönlichkeitsbildung erscheinen somit performative Ziele. Demnach vollzieht sich wirkungsvolle Persönlichkeitsbildung dann, wenn durch die Partizipation der Schüler*innen Selbst-, Welt- und Anderenverhältnisse in neuer Weise zueinander relationiert werden.

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