Grundschule Nord Neubrandenburg

Mut-Mach-Aktionen

Die Kita verlassen und bald auf die Grundschule gehen? Dieser Übergang ängstigt viele Kinder. In diesem LdE-Unterricht laden Grundschüler*innen Vorschulkinder in ihre Schule ein, um den Kleinen Mut zu machen und mit Stolz zu präsentieren, was sie in der Grundschule bereits gelernt haben.

Grundschulkinder, die sich an den eigenen Wechsel auf die Schule umso besser erinnern können, helfen Kita-Kindern bei der Vorbereitung auf den Schulstart: Darum dreht sich dieses LdE-Projekt der Grundschule Nord in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern. Wie war mein eigener Schulstart, was hat mir damals geholfen und welche Unterstützung hätte ich gebrauchen können, um mich in der Schule noch wohler zu fühlen? Mit diesen Reflexionen startet Grundschullehrerin Friederike Gombert den LdE-Unterricht. "Das Projekt kam direkt aus der Lebenswelt der Kinder". Auf der Suche nach Kooperationspartner*innen, rufen die Grundschüler*innen selbst in umliegenden Kitas an: Sie stellen ihr Projekt vor, kriegen begeisterte Rückmeldungen und vereinbaren erste Kennenlernbesuche in drei Kitas. Anschließend kommt jede Kita zwei Mal in die Grundschule, um von den Kindern willkommen geheißen zu werden. 

Die Schüler*innen arbeiten unterschiedliche Ideen aus, um Kita-Kindern den Schulalltag näherzubringen und Ängste vor dem Schulstart abzubauen. Demokratisch entscheidet die Lerngruppe, welche Ideen sie umsetzen will. Die Kinder kennen seit der ersten Klasse den Klassenrat und sind Abstimmungen gewohnt. Je nach Interesse bilden die Schüler*innen unterschiedliche Gruppen: Eine Gruppe gestaltet am Computer ein Heft für die Kita-Kinder, das sie in der Vorschulzeit unterstützen soll, eine andere Gruppe organisiert eine Rallye durch das Schulgebäude, eine weitere Gruppe bereitet ein Lesetheater vor.

Das Lesetheater entsteht aus dem Wunsch der Schüler*innen heraus, den Kita-Kindern eine Geschichte zu erzählen: Friederike Gomberts Vorschlag, "Die Mutmurmel" vorzutragen, nehmen die Schüler*innen an. Für das Lesetheater findet sich eine Gruppe, die Rollen aus dem Buchtext herausarbeitet und untereinander aufteilt. Um ihre Texte flüssig und ausdrucksstark vorzulesen, üben die Kinder, indem sie erst in Ruhe für sich lesen und dann laut in der Lesetheater-Gruppe. Die Geschichte gibt den Schüler*innen Anlass, mit den Kindern darüber zu sprechen, warum wir alle Mut brauchen. Zudem bereitet die Lerngruppe ein Päckchen mit einer Mutmurmel für jedes Kita-Kind vor. So stärken die Kinder sowohl ihre Lesefähigkeit als auch ihre Lesemotivation. 

Kinder mit LdE-Erfahrung gehen ganz anders in neue Projekte rein: mit mehr Selbstverständlichkeit und weniger Berührungsängsten. Die Kinder stellen sich auf Bühnen, nehmen Mikrofone in die Hand und machen ihr Programm – auch solche, die sich sonst nicht gerne präsentieren.

Friederike Gombert LdE-Lehrerin

Gemeinsam strukturieren Friederike Gombert und die Lerngruppe das Projekt in einzelne Phasen. "Immer wieder Ziele zu setzen und die letzten Schritte zu reflektieren, finde ich essenziell", sagt die Lehrerin. "Auf dieser Basis haben sich die Kinder selbst organisiert. Ich war Lernbegleiterin, die immer zur Verfügung stand", sagt Friederike Gombert. So haben die Kinder ein Verantwortungsgefühl entwickelt und weiterentwickelt, insbesondere auch jüngeren Kindern gegenüber. "Sie haben Termine vereinbart und eingehalten, Aufgaben untereinander aufgeteilt, in Gruppen zusammengearbeitet: So haben sie ihre Zuverlässigkeit und Teamarbeit gestärkt." Durch die Recherche und digitale Gestaltung der Arbeitshefte schulen die Schüler*innen zudem ihren Umgang mit Medien.

"Solche Projekte und gemeinsamen Erlebnisse machen viel mit der Klassengemeinschaft und mit meinem Blick auf die Schüler*innen. Ich sehe bei jedem Kind, welche tollen Eigenschaften und Fähigkeiten es hat, weil es nicht nur um Mathe- oder Deutschverständnis und Pausenverhalten geht. Deshalb liebe ich es auch, Projektunterricht zu machen", sagt Friederike Gombert.

Die Grundschule Nord in Neubrandenburg ist eine Startchancen-Schule mit vielfach heterogener Schüler*innenschaft. In den vergangenen Jahren hat die Schule den FreiDay fest in der 3. Jahrgangsstufe etabliert und Bildung für nachhaltige Entwicklung spielt eine immer größere Rolle. Beides nutzt Friederike Gombert als Ausgangspunkt für ihren LdE-Unterricht, der jeden Freitag dreistündig im FreiDay Platz findet und das BNE-Prinzip des interessengeleiteten und handlungsorientierten Lernens verfolgt. Auch für das Ziel der Schulleitung, mehr mit außerschulischen Partner*innen zu kooperieren, nutzt Friederike Gombert das LdE-Unterrichtskonzept.

Zum Abschluss laden die Schüler*innen ihre Eltern in die Schule ein, um auch ihnen ihre Lesekompetenz zu präsentieren und Mutmurmeln zu schenken. „Es war total schön, Kinder zu beobachten, deren schulisches Lernen nicht immer erfolgreich ist und die in solchen Momenten glänzen können und zeigen, was in ihnen steckt.“

Das Projekt kam direkt aus der eigenen Lebenswelt der Kinder.

Friederike Gombert LdE-Lehrerin
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