Mittelschule an der Alfonsstraße München

Pfand für Gutes

Gleich mehrere Klassen dieser Münchner Mittelschule betreiben gemeinsam eine Pfandsammelstelle im Schulgebäude. Mit diesen und weiteren Einnahmen ermöglichen sich die Jugendlichen vielfältige ehrenamtliche Unterstützung sozialer Einrichtungen. 

Im Treppenhaus der Schule steht sie: die dauerhafte Pfandsammelstelle, in der die gesamte Schulgemeinschaft ihr Leergut hinterlassen kann. Die LdE-Schüler*innen leeren sie wöchentlich, um die Flaschen im Supermärkt gegen Pfandbons einzutauschen. Auf diese Weise unterstützen alle Schüler*innen und Lehrer*innen das Engagement der LdE-Klassen – deren gesellschaftlicher Einsatz gleichzeitig für die gesamte Schule sichtbar ist. Im jeweiligen LdE-Unterricht entscheiden die einzelnen Klassen dann, mit welchem gesellschaftlichen Thema sie sich beschäftigen, in welchen Einrichtungen sie aktiv werden und auf welche Weise sie sich engagieren: Während die Deutschklasse ein nahegelegenes Waisenhaus unterstützt, engagieren sich Schüler*innen der 9. Jahrgangsstufe in der Obdachlosenhilfe. 

Elina ist seit einigen Monaten Sprachanfängerin und fasst auf Deutsch zusammen, dass sie und ihre Mitschüler*innen zunächst Ideen für ihr Engagement sammeln, sich demokratisch für ein Waisenhaus als Engagementpartner entscheiden und nach einem Gespräch mit dessen Leitung beschließen, Bücher an die Kinder und Jugendlichen der Einrichtung zu verschenken. Jovan ist seit einem Jahr in Deutschland: "Ich finde es traurig, weil manche Kinder keine Eltern haben. Aber wenn du jemandem hilfst, bist du glücklich."

Im Einsatz für Andere erkennen die Schüler*innen die motivierende Sinnhaftigkeit ihres Lernens. Sie diskutieren Vorgehensweisen, recherchieren die Inhalte der verschenkten Bücher für Altersempfehlungen, schreiben persönliche Grußkarten – so fördere LdE gezielt das Deutschlernen: "Weil die Jugendlichen ihren Wortschatz durch Learning by Doing kennenlernen", sagt Vera Schmelz, DAZ-Lehrerin. In ihrer Deutschklasse lernen Jugendliche aus aller Welt und mit unterschiedlichen Hintergründen gemeinsam: Viele haben Fluchterfahrungen, manche leben in einer unsicheren Wohnsituation. "Wenn diese Schüler*innen, denen es selbst nicht so gut geht, sich für andere einsetzen und dadurch resilient bleiben, ist das für mich der schönste Erfolg", sagt die LdE-Lehrerin.

Wir stellen fest, dass unsere Schüler*innen durch LdE motivierter und sozialer werden. Weil sie merken, sie können mit ihrem Handeln etwas bewirken und sich für andere einsetzen, sind sie auch viel motivierter, etwas zu leisten.

Susanne Schillhuber Konrektorin

"Meine Rolle als Lehrerin hat sich rapide geändert", sagt Sabine Reinhart, LdE-Lehrerin der 9. Jahrgangsstufe. Ihre Schüler*innen setzen sich für obdachlose Menschen ein: In der Suppenküche und dem Spendenlager eines Vereins packen sie mit an, tauche stetig tiefer in das Thema Wohnungslosigkeit ein und sammeln schließlich selbst Geld- und Sachspenden, um rund 100 Pakete mit Kleidung, medizinischen Produkten, Hygieneartikeln etc. an obdachlose Menschen zu verschenken. Nemanja, 17 Jahre, sagt: "Ich habe zum ersten Mal probiert, so etwas zu organisieren, und es hat mir sehr gut gefallen. Wenn alles geschafft ist, weiß man am Ende, dass man das Richtige gemacht hat." Sabine Reinhart beobachtet, wie selbstständig die Schüler*innen arbeiten und wie viel Freude sie dabei haben. "Bei Fragen sind die Schüler*innen natürlich auf mich zugekommen. Ansonsten waren sie im Zentrum. Ich war unterstützende Beobachterin." 

Klara Feicht ist ebenfalls Teil des LdE-Teams an der Schule. Ihre Motivation hinter Lernen durch Engagement ist, Schüler*innen zu vermitteln, dass sie ein partizipativer Teil der Gesellschaft sind. "Das können sie bei LdE so gut lernen wie in keinem anderen Unterrichtsfach", sagt sie. "Gerade Schüler*innen an Mittelschulen nehmen sich oft nicht als wirkmächtig war, was sie aber natürlich sind: Das wollen wir mit LdE unterstützen." Zudem dürfe die Pandemie-Erfahrung der Schüler*innen nicht vergessen werden, sagt Rektorin Eva Gaßner: "Die Kinder und Jugendlichen haben teilweise sehr darunter gelitten und sich hilflos gefühlt. Dieses Gefühl kann ihnen LdE nehmen." Auch für sie als Lehrerin spielt Resilienz eine wesentliche Rolle, unterstreicht Vera Schmelz: "Weil wir im Schulalltag permanent ständig auf Widerstände und Probleme stoßen. Unter solchen Umständen fairen, gerechten und guten Unterricht zu machen: Das setzt Resilienz voraus."

Gerade Schüler*innen an Mittelschulen nehmen sich oft nicht als wirkmächtig war, was sie aber natürlich sind: Das wollen wir mit LdE unterstützen.

Klara Feicht LdE-Lehrerin
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