Gemeinschaftsschule TGS Lautenbergschule Suhl

LdE-Donnerstage

Ein ganzes Schuljahr lang schwirrt eine Klasse jeden Donnerstag in diverse Einrichtungen in der Region aus, um Berufswelten und sich selbst kennenzulernen. Die Jugendlichen unterstützen Kitas, Grundschulen, Seniorenheime und mehr – und erleben, dass sie einen echten Unterschied machen können.

Los gehen die LdE-Vorbereitungen in der 8. Klasse: Zum Schuljahresende suchen sich alle Schüler*innen je nach Interesse drei lokale Einrichtungen aus, um dort jeweils einen Schnuppertag zu verbringen – sei es in einer Kita, einer Grundschule, einem Betrieb oder einem Pflegeheim. Anschließend erhalten die Schüler*innen eine Vorstellung davon, was in LdE-Projekten möglich ist: An einem großen Präsentationstag stellen ältere Schüler*innen des laufenden LdE-Jahres der ganzen Schule ihre Projekte vor, teilen Erfahrungen und Tipps. Anschließend vereinbaren die Jugendlichen ihr einjähriges Engagement vertraglich mit ihren Einrichtungen, um nach den Sommerferien direkt in ihre Projekte zu starten.

Leah und Leni engagieren sich ein Jahr lang in der Grundschule am Lautenberg. Zum Abschluss organisieren die beiden Neuntklässlerinnen ein Sportfest für die beiden ersten Klassen: Der emotionale Abschied der Kinder, die den beiden Jugendlichen dankbar um den Hals fallen, lässt nicht erahnen, dass der Anfang holprig war. „Wir hatten einige Ideen, dann ist vieles schief gegangen“, sagt Leni. „Die Kinder kommen auch nicht vom ersten Tag an auf einen zu. Und dann haben wir irgendwann sehr private Dinge von den Kleinen erfahren: Damit mussten wir erst einen Umgang finden“, sagt Leah. So viel Verantwortung im Schulleben sei für die Jugendlichen ungewohnt gewesen – „geschafft haben wir es aber“, finden beide. Engagementpartnerin und Grundschullehrerin Ines Weiske stimmt dem zu: "Die Schüler*innen verlassen uns als andere Persönlichkeiten. Sie werden deutlich reifer. Und der emotionale Abschied zeigt auch mir, welchen Wert die ganze Sache hat."

Liliana hatte sich zunächst kein Engagement ausgemalt, bei dem sie viel mit Menschen zu tun gehabt hätte. „Mein Traum war die Bibliothek. Ich dachte, mit Kindern würde es mir zu viel werden“, sagt die LdE-Schülerin. „Auch wusste niemand in unserer Klasse, wie Projekte funktionieren.“ Ein Jahr später weiß sie, wie wichtig gute Absprachen und gegenseitiger Respekt sind, wenn man etwas gemeinsam auf die Beine stellen will: Zusammen mit zwei Mitschülerinnen hat Liliana schließlich eine Bastel-AG organisiert. Und sie weiß, dass sie der Situation gewachsen ist – auch mithilfe der Dankbarkeit und Herzlichkeit der Kinder: „Sie zeigen so viel Wertschätzung. Im Nachhinein war das doch sehr cool“.

Christina Jansky leitet die Kita Tabaluga auf dem Suhler Lautenberg. Die Kita ist eine der 20 LdE-Kooperationspartnerinnen der Gemeinschaftsschule. „LdE ist eine Win-Win-Situation: für unsere Kinder, für die Erzieherinnen, für die Schüler*innen. Mit der Kooperation wollen wir auch die Abwanderung aus unserer Region stoppen“, sagt Jansky, die eine klare Entwicklung der Schüler*innen feststellt. „Anfangs beobachten die Schüler*innen vor allem, sie wollen nichts falsch machen. LdE aber ist eine Herausforderung, die Jugendlichen müssen durchhalten und auch Selbstbewusstsein beweisen. Irgendwann kommen sie dann aus sich heraus“, sagt die Pädagogin.

Das LdE-Team der Schule

Lehrerin Nicole Hoffmann hat 2021 begonnen, LdE an der Schule aufzubauen: "Ich wollte etwas Gutes tun, nicht nur darüber reden. Auch Schule hat eine Verantwortung für die Gesellschaft: Wir merken, wie alles auseinanderfällt, und räumen eigentlich nur auf, anstatt präventiv etwas zu tun", sagt sie. "Viele Partner*innen in der Umgebung haben darauf gewartet, dass wir als Schule auf sie zukommen. Mittlerweile ist LdE ein Selbstläufer: Die Region klopft bei uns an".

Schulleiterin Gabriele Lenz und stellvertretende Schulleiterin Iris Thomas sind begeisterte Unterstützerinnen des Aufbaus von LdE, extern half zudem Thüringens LdE-Koordinatorin Romana Schneider mit. 2025 bilden vier Lehrer*innen das LdE-Team der Schule: Nicole Hoffmann, Katja Schübel, Frank Dietzel sowie Michaela Reich, die im Schuljahr 2024/25 LdE erstmals als Wahlpflichtfach umsetzte. Das Ziel ihrer LdE-Praxis: Kinder und Jugendliche auf das Leben vorzubereiten.

Für Schulleiterin Gabriele Lenz ist LdE die Lösung, um ohne montäre Mittel neue Lernräume zu schaffen. Sie beschreibt die Etabilierung von Lernen durch Engagement an der TGS Lautenbergschule Suhl als problemlos, da das Kollegium die Schüler*innen wachsen lassen möchte und das Unterrichtskonzept Ergebnisse hervorbringe, die normaler Unterricht nicht leisten kann. "Stärken zu stärken befruchtet immer auch andere Lebensbereiche junger Menschen – und das wollen wir als Schule schaffen", sagt Lenz. "Und wir sehen, dass unsere ersten LdE-Jahrgänge ihren Weg gehen. Weil sie selbstbewusst sind, an sich glauben, ein feines Gespür für ihre wirklichen Interessen haben und wissen, dass sie etwas können."

Wir müssen Schüler*innen Berührungspunkte geben, um im Außen zu wirken, sich zu entwickeln, in sich reinzuschauen, auch zu scheitern und über sich hinaus zu wachsen.

Nicole Hoffmann LdE-Lehrerin und -Initiatiorin
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