Diese Erstklässler*innen haben bereits davon gehört, dass ihre Lehrerin immer wieder mit Schüler*innen ins Seniorenheim geht: Die Kinder wollen das auch erleben und stoßen dabei auf Lerngelegenheiten, die sie erst herausfordern und dann stolz machen.
Um ihre Erstklässler*innen an Selbstständigkeit, Zusammenarbeit und Projektarbeit heranzuführen, setzt LdE-Lehrerin Sophia Wunderlich den Kindern von Beginn an einen Rahmen für ihr Engagement: Sie werden sich für Bewohner*innen seines Seniorenheims einsetzen. Dass die Kinder zu Beginn des LdE-Unterrichts noch nicht lesen können, hält die Lerngruppe nicht von ihrer Recherche ab: Angefangen in ihren Lebenswelten, reden die Kinder zunächst über ihre Familien und die Lebenssituationen ihrer Großeltern. So werden Pflegeheime natürlich zum Thema. Sophia Wunderlich, die mit dem Seniorenheim bereits ein gemeinsames LdE-Projekt umgesetzt hat, bringt Bilder der Einrichtung mit, um den Kindern Orientierung zu verschaffen und vorab zu thematisieren, worauf bei einem Besuch zu achten ist: "Mir war wichtig, dass die Kinder verstehen: Wir besuchen dort Menschen in ihrem Zuhause." Nach einigen Wochen der Vorbereitung ist ein erstes Kennenlerntreffen der Erstklässler*innen mit Angestellten und Bewohner*innen des Seniorenheims ausgemacht.
Lerngelegenheiten aus dem realen Leben
Im Laufe ihres ersten Schuljahres sind die Kinder immer wieder im Seniorenheim. Die Schüler*innen teilen sich in Gruppen auf und besuchen jede der fünf Heimstationen: Sie basteln zusammen mit den Senior*innen, spielen, tragen tanzend Gedichte vor. Vor Ort sind die Schüler*innen auf neue Weise mit dem Leben konfrontiert, was Lerngelegenheiten schafft – etwa, als einem Kind im Seniorenheim eine 2-Euro-Münze geschenkt wird: Die Diskussion über Bevorteilung und Ungerechtigkeit ist groß. Das beschenkte Kind entscheidet schließlich: Die Lehrerin soll davon für alle Süßigkeiten kaufen. "Die Bedeutung des Teilens kann den Kindern kein Ethikheft so vermitteln wie eine solche Situation", sagt Sophia Wunderlich. Nach jedem Heimbesuch reflektieren die Kinder ihre Erlebnisse. Der Zugang ist kreativ: Die Erstklässler*innen malen, woran sie gerade denken.