22. Juni 2026 LdE an Grundschulen

Ergebnisse unserer Begleitforschung

Wie gelingt es, die Unterrichtsform Lernen durch Engagement (LdE) an Grundschulen einzuführen und zu verankern? Welche Wirkungen hat das auf Kinder und Schulen? Diesen Fragen widmete sich die wissenschaftliche Begleitforschung zu unserem Grundschulprogramm von Oktober 2022 bis März 2026, durchgeführt von der Ruhr-Universität Bochum (RUB).

Die Ergebnisse zeigen: LdE stärkt vor allem Selbstwirksamkeit, Beteiligung, Selbstständigkeit und soziales Lernen bei Kindern. Es eröffnet auch Potenzial für fachliches Lernen, weil Inhalte als sinnvoll und anwendungsnah erlebt werden, allerdings wird der Bezug zu curricularen Inhalten nicht immer klar genug hergestellt. Außerdem hängt LdE an vielen Schulen noch stark von einzelnen Lehrkräften ab. LdE braucht funktionierende organisationale Rahmenbedingungen, geteilte Verantwortung im Kollegium und sollte an Entscheidungs- und Beteiligungsstrukturen der Schule anknüpfen. 

So wurde geforscht 

Das Forschungsteam begleitete 32 Programmschulen in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt dabei, LdE zu erproben, umzusetzen und im Schulalltag zu verankern. Sieben Schulen wurden besonders intensiv untersucht. Dort fanden zusätzlich Schulbesuche sowie Interviews mit Lehrkräften, Schulleitungen und Schüler*innen statt. 

Die Begleitforschung umfasste zwei Phasen

In der ersten Phase von Oktober 2022 bis September 2023 standen die LdE-Grundlagenfortbildungen in den vier Bundesländern im Mittelpunkt. 42 Lehrkräfte wurden dazu befragt, mit welchen Erwartungen und Motivationen sie in die Fortbildungen gingen und welchen Nutzen sie für die konkrete Umsetzung von LdE an ihrer Schule sahen. 

In der zweiten Phase von Oktober 2023 bis März 2026 untersuchte das Forschungsteam die Umsetzung an sieben ausgewählten Schulen vertieft. Dazu gehörten Schulbesuche, mehrere Interviews mit neun Lehrkräften und fünf Schulleitungen, Gruppendiskussionen mit 31 Schüler*innen sowie Analysen schulischer Dokumente. So konnten die Entwicklungen an den Schulen über einen längeren Zeitraum hinweg nachvollzogen werden. Im Fokus standen drei Fragen: 

  • Wie wird LdE an Grundschulen eingeführt und verankert? 

  • Welche Wirkungen lassen sich bei Kindern, Lehrkräften und Schulen beobachten? 

  • Welche Bedingungen fördern oder erschweren eine nachhaltige Umsetzung? 

Dabei verstanden die Forschenden LdE nicht nur als Unterrichtsmethode, sondern auch als Aufgabe der Schulentwicklung

Potenzial für Selbstwirksamkeit, fachliches Lernen und Demokratiebildung 

Besonders deutlich zeigt sich bei den Schüler*innen die Selbstwirksamkeit: Sie erleben, dass ihre Ideen zählen, dass sie mitgestalten können und dass ihr Engagement etwas bringt. Dazu kommen mehr Selbstständigkeit, Motivation und ein stärkeres Miteinander in der Klasse.  

Viele Kinder erfahren LdE als etwas Sinnvolles, weil Lernen hier nicht abstrakt bleibt, sondern an reale Fragen und Aufgaben anschließt. Fachliches Lernen wird besonders dann gestärkt, wenn Inhalte in Anwendungskontexten aufgegriffen und mit konkreten Erfahrungen verbunden werden. Im besten Fall wird Engagement dann nicht als Zusatz verstanden, sondern als Ausgangspunkt für tieferes Verstehen. Dafür braucht es bewusste Rückbindung an Unterricht, Fachcurriculum und systematische Kompetenzentwicklung. 

Auch demokratische Erfahrungen werden sichtbar, vor allem dort, wo Kinder miteinander aushandeln, zuhören und zusammenarbeiten. LdE öffnet also Räume, in denen Schule nicht nur Ort der Wissensvermittlung ist, sondern auch Übungsfeld für Beteiligung und Gemeinschaft. Hierzu zählen Kooperation, das gemeinsame Treffen von Entscheidungen und der Umgang mit unterschiedlichen Perspektiven. Tiefere Reflexion und demokratische Urteilskraft entstehen aber dabei nicht automatisch, sondern müssen gezielt gefördert werden.  

Die beteiligten Lehrkräfte beschreiben LdE über die Zeit hinweg stabil als pädagogisch wertvoll und besonders im Blick auf die Förderung der Schüler*innen als gewinnbringend. ​Auch Schulleitungen betonen den Gewinn für Schüler*innen, Schulgemeinschaft und Außenwirkung. 

Verankerung braucht System und Teamarbeit 

LdE beginnt häufig bei einzelnen Lehrkräften, die überzeugt sind und loslegen. Das ist eine Stärke – aber auch eine Schwachstelle. Denn wenn eine Schule stark von einzelnen Personen abhängt, wird das Ganze anfällig für Belastung, Personalwechsel und Zeitdruck. Verankerung ist eine Entwicklungsaufgabe.

Entscheidend für eine nachhaltige Umsetzung von LdE sind die Unterstützung durch die Schulleitung, kollegiale Zusammenarbeit, reflexive Fortbildungsformate, eine klare curriculare Einbettung und individuelle Schulentwicklungsbegleitung. Unterstützungsformate für Schulen sollten nicht nur den ersten Impuls geben, sondern immer auf Verankerung zielen.

Was Schulen aus der Begleitforschung für die Umsetzung von LdE mitnehmen können: 

  • LdE wirkt stärker, wenn es in der Schule gemeinsam getragen wird. 
    LdE sollte nicht allein von einzelnen Lehrkräften abhängen. Hilfreich sind gemeinsame Absprachen im Kollegium, Rückhalt durch die Schulleitung und passende organisatorische Rahmenbedingungen. Zugleich brauchen Lehrkräfte genug Gestaltungsspielraum, um LdE im Unterricht sinnvoll umzusetzen.  

  • LdE braucht klare fachliche Lernziele und Anschluss an die Perspektiven der Schüler*innen. 
    Fachliche Lernziele und Engagement sollten bewusst miteinander verbunden werden. Damit Schüler*innen diese Verbindung nachvollziehen können, braucht es Aufgaben, die an ihre Erfahrungen, Interessen und Fragen anschließen und zugleich gut begleitet und strukturiert werden.  

  • Schulische Ziele müssen im Unterricht erfahrbar werden. 
    Wenn LdE Teil der Schulentwicklung ist, reicht eine Verankerung auf dem Papier nicht aus. Die Ziele der Schule müssen in konkrete Lern- und Engagementprozesse übersetzt werden, damit Schüler*innen erleben können, worum es geht und welche Bedeutung ihr Handeln hat.  

  • Teilhabe gelingt, wenn unterschiedliche Zugänge möglich sind. 
    Nicht alle Schüler*innen beteiligen sich auf die gleiche Weise. LdE sollte deshalb verschiedene Formen der Beteiligung ermöglichen: offene Aufgaben, eigene Ideen und Entscheidungen, aber auch Orientierung und individuelle Unterstützung. 

  • Verankerung braucht Zeit und gemeinsame Entwicklung. 
    LdE wird nicht von heute auf morgen fester Bestandteil des Schulalltags. Die Begleitforschung zeigt: Nachhaltige Verankerung entsteht schrittweise durch Ausprobieren, Anpassen, gemeinsame Abstimmung.  

Zusammengefasst lässt sich sagen … 

… dass LdE an Grundschulen großes Potenzial hat, Kinder in Motivation, Selbstständigkeit, Miteinander, Beteiligung und fachlichen Kompetenzen zu stärken. Damit daraus wirksame Praxis wird, braucht es verlässliche Strukturen, Teamarbeit und eine engere Verbindung von Engagement, curricularen Inhalten und Reflexion. 

Warum das wichtig ist 

Gerade für Zivilgesellschaft, Bildung und Verwaltung liegt hier eine klare Botschaft: LdE ist kein Zusatzdekoration für Schule, sondern kann ein Motor für Lernen und Schulentwicklung sein. Damit dieser Motor nicht stottert, müssen die Rahmenbedingungen mitwachsen. Die Begleitforschung zeigt also nicht nur, was LdE kann, sondern auch, was es braucht, um wirklich Schule zu verändern. Entscheidend ist, LdE an Schulen nicht als Einzelprojekt, sondern als gemeinsame Entwicklungsaufgabe zu verstehen.  

Wie wir als Stiftung daran anknüpfen 

Der Bericht bestätigt unseren Weg. Die Anknüpfungspunkte für uns als Stiftung LdE sind vor allem zwei: eine fachlich-didaktische Schärfung von LdE im Unterricht und passgenaue Unterstützungsstrukturen für Schulen, nachzulesen auch in unserer Vision, Mission und Strategie.  

Unser neuer, ausführlicher LdE-Referenzrahmen liefert die fachliche und didaktische Grundlage. Er hilft Lehrkräften, Lerngegenstände, Verstehensprozesse und Engagement so zu verbinden, dass alle Schüler*innen passende Zugänge und Beteiligungsmöglichkeiten erhalten und eine systematische Kompetenzentwicklung verfolgt werden kann.​  

Unser neuer Zertifikatskurs ergänzt das, indem er verschiedene Rollen und Unterstützungsbedarfe in Schule aufgreift. So können Schulleitungen, Lehrkräfte und Schulentwicklungsbegleitung gezielter dabei unterstützt werden, LdE nachhaltig zu verankern. 

Hinweis: Aus den Ergebnissen der Begleitforschung wird aktuell eine praxisnahe Handreichung für Schulen erarbeitet. 

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