
LdE-Grundschulpreis 2026: Sechs Schulen erhalten Auszeichnung
Sechs Schulen wurden beim bundesweiten Grundschulpreis Lernen durch Engagement 2026 prämiert: drei für „LdE im Unterricht“ und drei für die nachhaltige „Verankerung von LdE“. Die Preise sind im Rahmen der Förderung durch die Auridis Stiftung mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerschulen!
Wenn Lernen Sinn bekommt, wächst Begeisterung und Kinder erleben, dass sie etwas bewirken können. Lernen durch Engagement eröffnet Grundschulkindern genau diese Erfahrung: Sie lernen entscheidende Basiskompetenzen, übernehmen Verantwortung und erfahren sich als selbstwirksam. Mit dem Grundschulpreis „Wo Lernen lebendig wird – Lernen durch Engagement an Grundschulen“ würdigen wir, wie Lehrer*innen und Schulleitungen Schule mit LdE gestalten, ob in der Unterrichts- oder in der Schulentwicklung. Der Preis findet im Rahmen unseres Programms „LdE an Grundschulen“ statt und zeichnet LdE-Praxis in allen Entwicklungsphasen aus: von der ersten Idee über die Umsetzung bis hin zur festen Verankerung im Schulalltag.
Kategorie “LdE im Unterricht”
Burgschule Plochingen, Plochingen, Baden-Württemberg:
Begegnung der Generationen
Klassenstufe 4
An der Burgschule Plochingen steht im LdE Projekt die Begegnung zwischen den Generationen im Mittelpunkt. Die Schule möchte damit soziale Kompetenzen fördern und Kindern in einer digitalisierten und beschleunigten Gesellschaft mehr direkte Erfahrung mit älteren Menschen ermöglichen.
Ein Schwerpunkt war das Weihnachtskonzert für das Johanniterstift Plochingen. Die Kinder fragten Wunschlieder ab, werteten diese aus, stellten daraus das Programm zusammen und übernahmen Aufgaben bei Moderation, Musik, Tanz und Technik.
Aus dem Projekt entstand außerdem die Idee, zwei Seniorinnen und ehemalige Schülerinnen der Burgschule in die Schule einzuladen. Die Kinder bereiten dafür einen Besuch mit Backen, Schulführung und Interview vor und reflektieren das Vorhaben gemeinsam.
Fachliche Anbindung:
- Musik: traditionelles Liedgut kennenlernen und wiedergeben.
- Deutsch: Einladungen, Moderation und Interviews schreiben, Texte vortragen, Rezepte schreiben und nachkochen.
- Mathematik: Daten erfassen und als Balkendiagramm auswerten.
- Sachunterricht: Zeitzeugnisse, Zeitzeugen und Quellen kennenlernen sowie prägende Ereignisse der Heimatortentwicklung in Vergangenheit und Gegenwart erschließen.
Watt‘n Meer School, Neuenkirchen, Schleswig-Holstein:
Nachhaltigkeit und Wert von Lebensmitteln
Klassenstufe 3/4
An der Watt‘n Meer School beschäftigen sich die Kinder der jahrgangsgemischten Klassen 3/4 mit dem Thema Nachhaltigkeit und dem Wert von Lebensmitteln. Auslöser des Projekts war ein Besuch beim außerschulischen Lernort „Aladin“ der Abfallwirtschaft Dithmarschen, wo die Kinder miterlebten, wie ein Lastwagen voller Lebensmittel entsorgt wurde.
Im Anschluss setzten sie sich damit auseinander, wie viel Arbeit, Ressourcen und Verantwortung in Lebensmitteln stecken. Sie recherchierten zum weltweiten Hunger, entwickelten einen Erklärfilm, erarbeiteten ein Mitmach-Theater und führten es vor mehreren Schulklassen und Kindergartenkindern auf.
An mehreren Stationen leiteten die Kinder ihre Gäste spielerisch an, boten selbst zubereitete Bananenmilch und Smoothies an und sammelten gemeinsam mit ihren Familien Ideen zum Retten von Lebensmitteln. Der Höhepunkt war ein Informationsstand vor einem Lebensmittelmarkt in der Nachbarstadt.
Fachliche Anbindung:
- Religion/Ethik: Lebensumstände in armen Ländern kennenlernen und Lebensmittel wertschätzen.
- Sachunterricht: Gemüse anbauen, ernten und verarbeiten sowie Arbeit, Ressourcen und den Umgang mit Lebensmitteln thematisieren.
Förderzentrum Johann Heinrich Pestalozzi, Nordhausen, Thüringen:
Nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln
Klassenstufe 2, Klassen 1 bis 4
Am Grundschulbereich des Förderzentrums Johann Heinrich Pestalozzi in Nordhausen geht es im LdE Projekt um nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln, bewusste Ernährung und regionale Versorgung. Die Schule verbindet damit praktische Alltagskompetenzen mit Wertschätzung für Lebensmittel und Ressourcenschutz.
Die Kinder planen von Anfang an mit, welche Gemüsesorten angebaut und welche Produkte hergestellt werden. Sie übernehmen Aufgaben im Schulgarten und in der Hauswirtschaft eigenverantwortlich und arbeiten die Schritte von Aussaat, Pflege und Ernte bis zur Verarbeitung gemeinsam aus.
Besonders wichtig ist, dass die Ergebnisse sichtbar werden, etwa über Produkte wie eine “Pestabar” für die Schulgemeinschaft oder Eltern. So erleben die Kinder, dass ihr Handeln Wirkung hat und sie ihre Umgebung aktiv mitgestalten können.
Fachliche Anbindung:
- Sachunterricht: Pflanzenwachstum, ökologische Zusammenhänge und Nachhaltigkeit.
- Mathematik: Messen, Wiegen und Mengenberechnung.
- Deutsch: Rezeptarbeit, Dokumentation und Präsentation.
- Hauswirtschaft: hygienisches Arbeiten und Verarbeitung frischer Lebensmittel.
Kategorie “Verankerung von LdE"
Leipziger Modellschule, Leipzig, Sachsen
An der Leipziger Modellschule ist Lernen durch Engagement fest im pädagogischen Konzept verankert und eng mit der Projektzeit, der Stammgruppenarbeit und dem Schulprofil verbunden. LdE ist damit kein zusätzliches Projekt, sondern ein struktureller Bestandteil von Schule und Unterricht, der von Beginn an mitgedacht und im Kollegium gemeinsam getragen wird.
Die Verankerung zeigt sich vor allem darin, dass LdE in der Stammgruppe 1 (1.-3. Klasse) mit einer eigenen LdE-Zeit umgesetzt wird und zugleich in der themenorientierten Projektzeit seinen festen Platz hat. Lehrkräfte entwickeln Inhalte gemeinsam, stimmen Vorgehen im Team ab, reflektieren laufende Prozesse regelmäßig und sichern Materialien und Erfahrungen über gemeinsame Ablageorte und Austauschformate. Auch neue Kolleg*innen werden gezielt in das Konzept eingeführt, damit LdE nicht an einzelnen Personen hängt, sondern dauerhaft im Schulalltag verankert bleibt.
LdE ermöglicht der Schule, das Lernen für die Kinder bedeutsam, lebensweltbezogen und wirksam zu gestalten. Gerade in der heterogenen Schulgemeinschaft schafft der Ansatz verlässliche Räume für Partizipation, Selbstwirksamkeit und demokratisches Miteinander und stärkt damit langfristig das gemeinsame Lernen in der ganzen Schule.
6. Grundschule Am Großen Garten, Dresden, Sachsen
An der 6. Grundschule „Am Großen Garten“ ist Lernen durch Engagement fest im Schulprofil verankert und Teil einer gemeinsamen Schulentwicklung. LdE wird im Kollegium strategisch weitergedacht, regelmäßig in Schulkonferenzen ausgewertet und durch eine gemeinsame Haltung getragen, sodass es nicht von einzelnen Projekten abhängt, sondern den Schulalltag prägt.
Besonders wichtig ist der Schule, dass Kinder erfahren: Mein Tun hat einen gesellschaftlichen Sinn. LdE unterstützt dabei, Selbstwirksamkeit zu stärken und auf die Heterogenität der Schülerschaft einzugehen. Durch das Zusammenspiel von Ich-Stärkung und Wir-Gefühl entsteht ein Lernverständnis, das Kinder bestärkt, einbezieht und ihnen zeigt, dass sie ihre Schule und ihr Umfeld mitgestalten können.
Verankert ist LdE unter anderem in der Projektzeit mit jahrgangsübergreifendem Lernen und sozialem Lernen. Das Kollegium arbeitet gemeinsam an der Unterrichtsplanung, tauscht sich regelmäßig aus, dokumentiert Materialien zentral und sorgt für einen geregelten Einstieg für neue Kolleg*innen. So wird LdE langfristig, verlässlich und schulweit getragen.
Schillerschule Reutlingen, Reutlingen, Baden-Württemberg
An der Schillerschule Reutlingen ist Lernen durch Engagement fest im Schulprofil und in den schulinternen Curricula verankert. LdE ist kein Einzelprojekt, sondern ein verbindlicher Bestandteil der Schulentwicklung, der in jeder Klassenstufe mindestens einmal umgesetzt wird und auf der Website sichtbar gemacht ist.
Die Schule legt Wert auf eine strategische Zusammenarbeit im Kollegium, gemeinsame Reflexion der Unterrichtsgestaltung und zentrale Dokumentation über Materialpools und Austauschräume. So werden die vielen einzelnen Aktionen nicht nur geplant und durchgeführt, sondern regelmäßig im Team ausgewertet, jährlich überarbeitet und schulweit abgestimmt.
Diese Verankerung macht LdE nachhaltig, weil es den Fokus auf soziales Miteinander, BNE, Demokratiebildung und Selbstwirksamkeit verbindlich macht. LdE stärkt so die Schüler*innen langfristig und gibt der Schule einen klaren pädagogischen Rahmen für Teilhabe und gesellschaftliche Einbindung.