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21.11.2016 Bildungsministerium Thüringen unterzeichnet erneut Vereinbarung mit Freudenberg Stiftung

Seit 2013 kooperiert die Freudenberg Stiftung sehr erfolgreich mit dem Bildungsministerium in...


13.07.2016 Abschluss der Praxisphase im Modellprojekt „Service-Learning in den MINT-Fächern“

Am 3. Juni kamen in Magdeburg alle teilnehmenden Schulen des Modellprojektes „Service-Learning in...






Lernen durch Engagement (engl. Service-Learning, Abk. LdE) ist eine Lehr- und Lernform, die gesellschaftliches Engagement von SchülerInnen mit fachlichem Lernen verbindet. 
(Seifert, Zentner & Nagy, 2012;
Seifert & Zentner, 2010)

 

LdE hat also zum Ziel, gesellschaftliches Engagement von Kindern und Jugendlichen fest im Schulalltag zu verankern und mit Unterricht zu verbinden. Die Erfahrungen, die die SchülerInnen beim „Engagement für Andere“ machen, werden im Unterricht aufgegriffen, reflektiert und mit Unterrichtsinhalten verknüpft. Dabei lernen Jugendliche, dass es sich lohnt, sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Sie trainieren soziale und demokratische Kompetenzen. Und: Sie können ihr praktisch erworbenes Wissen und ihre Erfahrungen in den Unterricht einfließen lassen. Unterricht wird praxisnah und handlungsorientiert.

       

Damit basiert Lernen durch Engagement auf dem Prinzip, dass gesellschaftliches Engagement mit fachlichem Lernen im Klassenraum kombiniert werden kann. Dadurch profitieren „Service“ (Engagement) und „Learning“ (Lernen) voneinander: Auf der einen Seite wird das gesellschaftliche Engagement durch das im Unterricht erworbene theoretische und konzeptionelle Wissen der SchülerInnen bereichert und auf der anderen Seite gewinnt das fachliche Lernen durch die Erfahrungen in der Realität an Relevanz, Handlungsbezug und Verständnistiefe.

   

SchülerInnen engagieren sich in einem Alten- und Pflegeheim und profitieren beim Umgang mit Alzheimer- oder Demenz-Patienten von ihrem Wissen über Ursachen, Symptome und Verlauf der Krankheiten, das sie parallel zu ihrem Engagement im Biologieunterricht erwerben. Zugleich wird dieses Lernen im Biologieunterricht durch die Einbindung und Reflexion der realen Erfahrungen mit den Betroffenen bereichert.

  

Oder: SchülerInnen erarbeiten im Physikunterricht Experimente und bereiten diese so auf, dass sie diese im örtlichen Kindergarten mit den Kindern durchführen und ihnen erklären können. Dadurch setzen sich die SchülerInnen im Unterricht intensiv mit naturwissenschaftlichen Phänomenen auseinander und unterstützen gleichzeitig die Erzieherinnen, zu deren Aufgabe nach den neuen Bildungsplänen auch die naturwissenschaftliche Bildung im Kindergarten gehört.

   

  • SchülerInnen und LehrerInnen trainieren Demokratie- und Sozialkompetenz.

  • SchülerInnen lernen Wissen praktisch anzuwenden und produktiv für die Gesellschaft einzubringen. Sie verstehen schulische Inhalte tiefer und umfassender.

  • SchülerInnen werden motivierter, selbstbewusster und leistungsstärker, ihre Haltung zu Schule wird positiver.

  • Schule verändert sich: sie öffnet sich nach außen, entwickelt ein Klima der Kooperation und verstärkt die individuelle Förderung von SchülerInnen.

    Der Schlüssel für das tatsächliche Erreichen der Ziele von Lernen durch Engagement ist eine qualitätsvolle pädagogische Umsetzung. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf der Unterseite [Qualitätsstandards].

      

     

Weitere Informationen finden Sie in den folgenden beiden Publikationen:

  

Seifert, A., Zentner, S. & Nagy, F. (2012). Praxisbuch Service-Learning. "Lernen durch Engagement" an Schulen. Weinheim: Beltz.

  

Seifert, A. & Zentner, S. (2010). Service-Learning – Lernen durch Engagement: Methode, Qualität, Beispiele und ausgewählte Schwerpunkte. Eine Publikation des Netzwerks Lernen durch Engagement. Weinheim: Freudenberg Stiftung. 

[hier zum Download verfügbar]

 

 

 

 

... FÜR SCHÜLER:

Zahlreiche Evaluationen und Forschungsstudien zeigen, dass qualitätsvoll umgesetztes Lernen durch Engagement bedeutsame Effekte auf SchülerInnen haben kann:

    

  • Soziale und persönliche Kompetenzen: Lernen durch Engagement wirkt sich positiv auf die sozialen Kompetenzen, die Kommunikationsfähigkeiten, auf Empathie und das soziale sowie persönliche Verantwortungsbewusstsein von SchülerInnen aus. Auch Selbstwertgefühl und Selbstwirksamkeit der SchülerInnen können gesteigert werden (z. B. Conrad & Hedin, 1991; Furco, 2002; Johnson & Notah, 1999; Melchior & Bailis, 2002).

  • Schulische Leistung: Service-Learning kann die Lernmotivation fördern, Problemlösefähigkeiten trainieren, die Komplexität im Denken erhöhen, Testleistungen verbessern und ein tieferes Verständnis von Lerninhalten hervorrufen (z. B. Billig, 2000; Eyler & Giles, 1999; Klute & Billig, 2002).

  • Berufsfindung: Arbeitshaltung und Berufsfähigkeiten werden trainiert, eigene Stärken erkundet, neue Karriereideen können entstehen (z. B. Furco, 2002).

  • Service-Learning kann die moralische Entwicklung, das soziale Verantwortungsbewusstsein und die demokratischen Kompetenzen der SchülerInnen fördern. LdE kann Einstellungen zu Demokratie und Zivilgesellschaft positiv beeinflussen. Die Motivation für bürgerschaftliches Engagement nimmt zu. Service-Learning kann sich auch positiv auf das demokratische und politische Bewusstsein auswirken und die Herausbildung einer politischen Identität unterstützen (z. B. Billig & Root, 2006; Billig, Root & Jesse, 2005a; Furco, 2002; Metz & Youniss, 2003; Morgan & Streb, 2001; Root & Billig, 2008; Yates & Youniss, 1996a; 1996b; Youniss, McLellan & Yates, 1997).

  • Für „Risikogruppen“ hat Service-Learning ein besonderes Potenzial: Disziplin und Motivation der SchülerInnen steigen, Vandalismus an der Schule und Schulverweigerung nehmen ab, die Einstellung zur Schule verbessert sich (Follman, 1998; Kraft & Wheeler, 2003; Melchior, 1999).

 

Weitere Informationen über die Effekte von Service-Learning auf SchülerInnen finden Sie in ausführlichen Zusammenfassungen der Wirkungsforschung – z. B. von Billig (2000; 2004; 2007) oder der RMC Research Corporation (2007). Alle hier zitierten Literaturangaben finden Sie im Literaturverzeichnis der Publikation von Seifert & Zentner, 2010 [Download].

 
... FÜR SCHULE UND SCHULUMFELD:

Wird Service-Learning von einem großen Teil des Kollegiums und von der Schulleitung gewünscht und aktiv unterstützt, kann die Arbeit mit diesem Ansatz Schule verändern (vgl. z. B. Sliwka, 2008). Das heißt: Angestoßen durch LdE kooperieren Schulen verstärkt mit außerschulischen Partnern und LehrerInnen stimmen sich häufiger fächerübergreifend zu Unterrichtsinhalten ab – zudem wird der Unterricht insgesamt projekt- und handlungsorientierter, SchülerInnen werden zu Experten und die Partizipation der SchülerInnen wird gestärkt. Dies bringt eine Veränderung der Lehrerrolle und der Beziehung zwischen LehrerInnen und SchülerInnen mit sich – SchülerInnen und LehrerInnen sehen sich gegenseitig in anderen Funktionen und lernen sich von anderen Seiten kennen. Lernen durch Engagement hat damit das Potenzial, das Klima einer Schule nachhaltig zu verändern.

 

... FÜR DIE GESELLSCHAFT:

Übergreifendes Ziel ist, durch Lernen durch Engagement die Zivilgesellschaft und damit die Demokratie zu stärken. Die Gesellschaft profitiert dabei nicht nur vom ganz konkreten Engagement der Kinder und Jugendlichen, das sie bei LdE leisten, sondern sie gewinnt auch eine engagierte Generation, die gelernt hat, dass ihr Handeln einen Unterschied machen kann. Denn Studien zeigen: Menschen, die bereits früh lernen, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und die sich in jungen Jahren aktiv engagieren, tun dies auch später mit höherer Wahrscheinlichkeit (vgl. z. B. Düx, Prein, Sass & Tully, 2008; Youniss, McLellan & Yates, 1997). Umgekehrt: wer sich in seiner Jugend nicht engagiert, sieht auch als Erwachsener oft keine Notwendigkeit dafür bzw. hatte schlicht keine Gelegenheit, die notwendigen Kompetenzen und Haltungen hierfür zu entwickeln.