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08.03.2016 Rückblick: Arbeitsforum: »Lernen durch Engagement« im Kontext Flucht und Willkommenskultur

Wie kann Lernen durch Engagement (LdE), das gesellschaftliches Engagement von Schüler/innen mit...






Service-Learning - Lernen durch Engagement (LdE) verbindet gesellschaftliches Engagement von SchülerInnen mit fachlichem Lernen im Unterricht (Seifert, Zentner & Nagy, 2012; Seifert & Zentner, 2010). Durch die Teilnahme an LdE können die SchülerInnen viel lernen: kognitiv, fachlich-methodisch wie auch sozial und persönlich. Diese Lernerfolge werden aber nur erreicht, wenn bei der Umsetzung auf bestimmte Grundsätze oder Leitziele geachtet wird, die wir als „Qualitätsstandards für LdE“ zusammengefasst haben und im Netzwerk Lernen durch Engagement als handlungsleitende Ziele festgelegt wurden. Die Qulitätsstandards beruhen auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen und unseren langjährigen Erfahrungen aus der LdE-Praxis mit Schulen. Der folgende Text ist in weiten Teilen den Seiten 17-20 folgender Publikation entnommen: 

Seifert, A. & Zentner, S. (2010). Service-Learning – Lernen durch Engagement: Methode, Qualität, Beispiele und ausgewählte Schwerpunkte. Eine Publikation des Netzwerks Lernen durch Engagement. Weinheim: Freudenberg Stiftung.
 

[hier zum Download verfügbar]

 

1. Realer Bedarf

Das Engagement der SchülerInnen reagiert auf einen echten Bedarf bzw. ein reales Problem in ihrer Stadt oder Gemeinde. Die SchülerInnen sind in Auswahl und Planung ihres Engagements einbezogen und übernehmen eine verantwortungsvolle und nützliche Aufgabe.

 

Service-Learning beginnt dort, wo die SchülerInnen sich engagieren. Wenn sie spüren, dass sie mit ihrem Wissen und Können wirklich gebraucht werden und dass sie etwas Sinnvolles beitragen können, erfahren sie Selbstwirksamkeit und Anerkennung. Durch eine herausfordernde Tätigkeit entsteht Neugier, Motivation und viel Gesprächsstoff, an den in der Schule angeknüpft werden kann, sodass mehr Wissen und Fähigkeiten erworben werden (Billig, Root & Jesse, 2005; Blank, 2007; Conrad & Hedin, 1982, 1991). Eine langweilige, für die SchülerInnen sinnlos erscheinende Tätigkeit kann dagegen zu Demotivierung und Ablehnung des Engagements – auch auf lange Sicht – führen.

Den realen Bedarf in einer Recherchephase gemeinsam herauszufinden und genau zu ergründen, sollte daher Teil eines jeden LdE-Vorhabens sein. Wichtig ist, dass die SchülerInnen eine Aufgabe übernehmen, bei der sie sich mit ihren Stärken und Interessen einbringen können, und die sie als „ihre“ Aufgabe begreifen (Dewey 1916/2000). So kann verhindert werden, dass sie als „die zehnte Praktikantin“ wahrgenommen oder sogar als Belastung empfunden werden.

 

2. Unterrichtliche Einbindung

Lernen durch Engagement ist Teil des (regulären) Unterrichts (strukturelle curriculare Anbindung) und das Engagement der SchülerInnen wird bewusst und explizit mit Unterrichtsinhalten verknüpft (inhaltliche curriculare Anbindung).

 

Kernziel von Lernen durch Engagement ist, dass SchülerInnen die praktische Anwendbarkeit von schulischem Wissen erfahren und dass sie umgekehrt mit ihren eigenen, praktischen Erfahrungen im Engagement den Unterricht bereichern können. Dadurch wird das in der Schule erworbene Wissen in einen Kontext gesetzt. Es wird von rein abrufbarem Wissen zu verstandenem, transferfähigem Wissen, das auch auf andere Situationen übertragen werden kann (vgl. die pädagogischen Ideen von John Dewey, 1916/2000). Unterricht wird dadurch lebendig und handlungsorientiert.

Darüber hinaus ist die Anbindung an den regulären (Fach-)Unterricht wichtig, um auch SchülerInnen zu erreichen, die sich außerhalb der Schule nicht freiwillig engagieren würden. Denn: Gerade SchülerInnen, die in Bezug auf ihr kognitives Leistungsvermögen, ihren Selbstwert und ihr Selbstwirksamkeitserleben ganz besonders profitieren könnten, werden durch freiwillige Angebote in der Regel nicht erreicht.

 

 

 

3. Reflexion

Es findet eine regelmäßige und bewusst geplante Reflexion der Erfahrungen der SchülerInnen statt.

 

Reflexion ist das Bindeglied zwischen den persönlichen Erfahrungen im Engagement und dem schulischen Lernen. Für ein tiefes Verständnis müssen Wissen und Erfahrungen durch explizite Reflexion verknüpft und interpretiert werden. Das mit gezielten Fragen angeleitete Nachdenken über den Kontext und die Bedeutung der eigenen Erfahrung macht SchülerInnen den Sinn des Engagements deutlich. Eigene Kompetenzen und persönliche Stärken werden erkannt, der Transfer fachlichen Wissens wird erleichtert und metakognitive Kompetenzen (z. B. komplexes Problemlösen, eigene Lernprozesse steuern) werden trainiert.

 

4. Außerschulischer Lernort

Das praktische Engagement der SchülerInnen findet außerhalb der Schule statt (zumindest für SchülerInnen ab Jahrgang 5).

 

Es geht beim Lernen durch Engagement auch um die Öffnung von Schule, um die Entwicklung hin zu einer „Schule im Stadtteil/in der Gemeinde“. Für die SchülerInnen bietet das Engagement außerhalb der Schule neue Lernorte. Sie erhalten die Möglichkeit, Situationen zu meistern, in die sie der „normale“ Schulalltag nicht bringen würde. Sie üben den Transfer ihres Wissens, ihrer Fähigkeiten und ihrer Kompetenzen vom „Schonraum“ Schule ins „reale Leben“. Durch ihr Engagement in der Gemeinde bzw. in ihrem Stadtteil lernen sie, wie sie einen nützlichen Beitrag für die Gesellschaft leisten können. Dadurch erleben sie die Sinnhaftigkeit ihres Lernens und Handelns.

Und: Sie kommen mit Menschen in Kontakt, denen sie in ihrem persönlichen Umfeld möglicherweise nicht begegnen. Durch diese Kontakte können Brücken innerhalb der Gesellschaft geschlagen werden und es entsteht „soziales Kapital“ (Putnam, 1995, 2000).

 

Die ersten vier Qualitätsmerkmale sind so essenziell, dass jedes Vorhaben zum Lernen durch Engagement sie anstreben sollte. Je mehr Merkmale umgesetzt werden, desto größer wird der zu erwartende Erfolg für SchülerInnen, LehrerInnen, Schule und Engagementpartner.

   

 

Über die ersten vier Qualitätsstandards hinaus gibt es weitere Empfehlungen, wie die Qualität der LdE-Vorhaben gesteigert und damit die Wahrscheinlichkeit erhöht werden kann, dass die erhofften Wirkungen auf SchülerInnen durch LdE auch tatsächlich eintreten werden:

 

  • Schülerpartizipation: Die SchülerInnen sind aktiv in die Planung und die Ausgestaltung der Lernen durch Engagement Aktivitäten einbezogen. Studien zeigen, dass SchülerInnen sich schulisch und zivilgesellschaftlich stärker einbringen, wenn sie in jeder Phase von Lernen durch Engagement „eine Stimme“ haben.

        

  • Das Engagement der SchülerInnen hat eine ausreichende Dauer, es beträgt mindestens 20 Schulstunden (z. B. verteilt über ein Halbjahr; vgl. auch Billig, 2009)

         

  • Die Aktivitäten zum Lernen durch Engagement werden evaluiert. Wenn sinnvolle, der jeweiligen Situation angepasste Daten erhoben und von den Lehrkräften und SchülerInnen bewusst zur Verbesserung ihrer LdE-Aktivitäten herangezogen werden, bringt Lernen durch Engagement nachweislich bessere Lernergebnisse (Billig, Root & Jesse 2005a; Billig, 2007; 2009). Für die Erhöhung des Selbstwirksamkeitserlebens der SchülerInnen ist es darüber hinaus sehr bedeutsam, die Veränderungen, die die SchülerInnen beim Engagement-Partner oder für die Gemeinde/Gesellschaft durch LdE erreicht haben, zu erfassen und spätestens zum Ende von LdE sichtbar zu machen. Die SchülerInnen müssen „sehen“ und verstehen, was sie bewirkt haben (Billig, 2007, 2009).

                    

  • Es findet eine Ergebnispräsentation statt, in der die SchülerInnen ihre Erfolge zeigen können, und es gibt eine öffentliche Anerkennung und Würdigung des Engagements der SchülerInnen.

              

  • Der Lernzuwachs der SchülerInnen bei Lernen durch Engagement wird ernsthaft anerkannt und bewertet (z. B. durch Leistungsnachweise, Benotung, ausführliches Zertifikat, in dem der Lernzuwachs und die erworbenen Kompetenzen explizit beschrieben werden o. Ä.).

          

  • Die Eltern sind in die Aktivitäten zum Lernen durch Engagement einbezogen.

            

  • Lernen durch Engagement ist Teil des Schulprofils und fest im Schulleben verankert.